Zu Gast bei Freunden

Der Froschkönig hat mir bei einem Freund ein Schild gepresst.

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Was der alles für Freunde hat…

Einer macht eben viel mit Autokram, ein anderer jobbt beim Radio, viele sind selbständig und irgendwie können die alle voneinander profitieren. Ein Hoch auf das Internet!

Bitte ermögliche doch demnächst auch jemand Pflege über’s Internet, dann kann ich auch endlich von zu Hause arbeiten. Wenigstens bei Schnee…

Ach, du bist Krankenschwester?

Ach, du bist Krankenschwester?! Dann kannst du mir ja vielleicht sagen, was mir bei „beliebiges Wehwehchen einfügen“ hilft!

Nein. Kann ich nicht.
Oder doch. Manchmal.
Aber das kann jeder, der irgendwann mal krank war. Und Hausfrauen/Mütter erst…
Doch ich möchte gar nicht. Wenn mein Hinweis nämlich nix bringt, bin ich die Böse.
Das habe ich jamittlerweile quasi hinter mir. Weil ich einfach, bevor diese Anmerkungen kommen, sagen kann, dass ich in der Psychiatrie arbeite.

Darauf ist die Standardreaktion eher so:

Oh! dann muss ich ja aufpassen, was ich sage.

Äh… warum bitte?
Ich bin Krankenpflegerin.
Weder analysiere ich die Verrücktheiten aller Menschen in meiner Umgebung, noch betreibe ich Gehirnwäsche.
Ich bin einfach nur ich. Mit all meinen eigenen Verrücktheiten.

Ein Körbchen für den Schweinehund

Die letzten Tage habe ich vorwiegend damit verbracht, meine erste Hausarbeit zu schreiben. Wenn man bekanntermaßen ein so großes Motivations- und Durchhalteproblem hat wie ich, sollte man vielleicht besser gar nicht studieren.

In der Schule hatte ich das Glück, dass ich ohne große Anstrengungen akzeptable Noten geschrieben habe. Außerdem war meiner Mutter immer wichtig, dass ich selbst Verantwortung für das übernehme, außerdem hat sie immer viel gearbeitet und in dieser Kombination nicht kontrolliert, ob ich meine Hausaufgaben mache oder nicht.  Es war ihr nicht egal, aber es war in meiner eigenen Verantwortung.
Probleme hatte ich dadurch nicht. Ich hatte eher viel Freizeit. Und die wusste ich zu füllen:
Mit Freunden treffen, die Unterrichtszeit mit Briefchen-schreiben und anderen Dingen füllen, die nichts mit dem Lerninhalt zu tun haben oder ihn gar nicht erst besuchen, weil ich statt dessen in irgendwelchen AGen aktiv war. Dabei insgesamt immer wieder nur knapp an den Einladungen zum Elternsprechtag wegen schlechter Mitarbeit im Unterricht und wiederholt nicht-gemachten Hausaufgaben vorbeirutschen.

Ich habe mir also nie angewöhnt zu lernen oder Aufgaben dann zu erledigen wenn sie anfallen statt auf den letzten Drücker, und wenn das die Busfahrt zur Schule ist.

In meinem Leben gab es erst einmal einen Grund dieses Verhalten zu ändern:
Als ich in meinem ersten Studium den Anschluss verloren habe. Meine Kommilitonen sind einfach an mir vorbeigezogen, haben Klausuren mitgeschrieben und bestanden, von denen ich den  Inhalt nicht einmal im Ansatz verstanden habe.

Ich habe das Verhalten nicht geändert, sondern das Studium abgebrochen und mir vorgenommen in einer Ausbildung das Lernen zu lernen. Neben dem erfolgreichen Abschluss, also meinem Examen, war das mein wichtigstes Ziel. Ich habe es weit verfehlt.

Mein Studium könnte man jetzt als weiteren Versuch sehen, endlich Lernen und zeitnahes Erledigen von Aufgaben in meinen Alltag zu integrieren. Aber wer das 27 Jahre lang nicht gemacht, der hat einen sehr, sehr starken und schlecht erzogenen Schweinehund.

Beim Erstellen meiner Hausarbeit ist mir das (erneut) bewusst geworden. Dieser Schweinehund ist so stark, dass er es trotz schon vorhandenen Zeitdrucks dazu bringt statt Literatur zu wälzen und endlich etwas auf’s Papier zu bringen, in der WDR-Mediathek zu stöbern.

Wie günstig, dass Quarks & Co. Anfang des Jahres genau diesen alten Bekannten zum Thema hatte. manchmal ist er eben doch zu etwas gut. Lernen war jetzt nicht wirklich ein Schwerpunkt, aber Sport. Und auch mit dem habe ich ja so meine Probleme. Seit mittlerweile wohl mehr als 2 Monaten war ich nicht mehr in dem wirklich teuren Fitnessstudio.

Ich kann den Beitrag wirklich JEDEM empfehlen, der Probleme hat seine Pläne in die Tat umzusetzen:

Quarks & Co. – Gute Vorsätze

Mein Schweinehund hat von mir jetzt ein Körbchen bekommen, denn manchmal, ist er ja doch sehr nützlich. Nicht nur, dass mich der Beitrag motiviert hat, mich jetzt endlich hinzusetzen, er hat mir auch einen weiteren Anstoß für meine Hausarbeit geliefert, Selbstwirksamkeitserwartung. Die ist eigentlich ein wichtiger Erklärungsansatz in meinem Text, in dem es darum geht, sein Verhalten zu ändern und dadurch die Lebensqualität zu verbessern.

Mein Schweinehund ist stark, und darf es ruhig auch bleiben, wenn er bereit ist, ab und zu auch mal Pause zu machen. Ich werde jetzt durchhalten, als Motivation bekommen mein Schweinehund und ich Belohnungen. Erstmal wohl in materieller Form:

Wenn ich es ab jetzt durchhalte 2 Monate lang mindestens 2 Mal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen, dann kaufe ich mir endlich die Sporttasche, die ich so gerne hätte. Eine von Dakine.
Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, gibt es die nächsten, zumindest in Sachen Sport.

In Sachen Studium muss ich mir noch etwas überlegen. Aktuell heißt es nur: „Zähne zusammenbeißen und durch“. Das Diplom ist zwar mein Ziel, aber irgendwie eher ein Fernziel. Noten sind eine tolle Belohnung, aber bei den Klausuren hatte ich bisher fast immer das gleiche Glück wie in der Schule und in der Ausbildung.

Und jetzt werde ich mit dem Zähne zusammenbeißen weitermachen und mich auf die Klausur am Samstag vorbereiten.

Stilblüten aus der Psychiatrie #2

Ha! Ich hab etwas gefunden, womit ich in unregelmäßigen Abständen meine Leser erheitern kann, mit Situationskomik aus meinem Berufsalltag.

Teamübergabe, neuer Patient wird besprochen:

Pfleger 1: Er wohnt in einer Wohngruppe, nach der Langzeittherapie wurde er dort von einigen geschnitten.

Pfleger 2: Wie? Fremdaggressive Borderliner?!

Patient wirkt immer wieder unmotiviert, passt aber nicht wirklich ins Krankheitsbild Depression… eher chronisch faul, Oberarzt fragt:

Ist der überhaupt depressionsfähig?

Schwerst Borderline-erkrankte Patientin spricht mit Bezugspfleger über Blumen und vergleicht ihn mit einer Rose, er tut es ihr gleich:

Also sie sind ja am ehesten eine Schnittblume.

Und hier sind die ersten Stilblüten zu finden.

Stilblüten aus der Psychiatrie

Lange nichts mehr über die Arbeit geschrieben. Macht man schließlich auch nicht, Schweigepflicht und so. Aber die ein oder andere Stilblüte muss dann doch mal festgehalten werden. Ab und zu wird es einfach grenzwertig zynisch:

Küchendienst (Borderline-Patientin) holt Messer ab, Krankenpfleger:

Ist das für den Arm oder für die Wurst?

Angehöriger ruft an, Pflegerin fasst das Gespräch für ihre Kollegen zusammen:

Betrunkener Papa soll bitte im Alkoholikerparadies abgeholt werden.

Das Konsumverhalten einer medikamentenabhängigen Patientin wird in der Übergabe beschrieben:

Sie isst Benzos wie andere Smarties.

Wer ist da verrückt?! ;)

Realität

Im hiesigen Gesundheitswesen geht es nicht darum Gesundheit zu erhalten oder herzustellen, sondern einzig und allein darum, mit der Krankheit der Menschen möglichst viel Geld zu machen.

Dann werden auch nur Krankenschwestern und keine Gesundheits- und Krankenpflegerinnen gebraucht.

Eine Sonne namens Begeisterung

Call me nurse!

Das darf ich mittlerweile seit einem halben Jahr sagen. Nachdem mir bis dahin immer wieder nur gesagt wurde „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, bin ich immernoch der Meinung, dass Krankenpflege kein guter Job ist. Die Arbeit ist hart, schmutzig und will einen immer wieder nach Hause verfolgen. Sie ist geprägt von finanziellen Kürzungen, Unzufriedenheit auf allen Seiten und dem Gefühl, dass man gegen Windmühlen kämpft udn das ganze System so ineffektiv wie ungerecht ist.

Und trotzdem liebe ich diesen Beruf. Nicht etwa weil ich meine irgendwem zu helfen, etwas gutes zu tun oder gar ändern zu können. Nein. Ich bin einfach begeistert von dem, was ich jeden Tag erleben darf. Ganz egal in welchem Tätigkeitsfeld der Krankenpflege ich mich bewege, sie ist einfach toll.

Nehmen wir zum Beispiel die Neurologie: Hier geht es ja vor allen Dingen um die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Kein anderes Organ ist so gut vor Fremdeinwirkung geschützt: Der Schädel, der keinen Kratzer an das Gehirn lässt und selbst das Blut kommt nicht einfach so ran. Es ist ja auch viel zu oft Überbringer von diversen Krankheitserregern.
Ist es nicht ein Wunder, dass man durch die bloße Raumgestaltung Einfluss auf den Verlauf einer Krankheit nehmen kann?
Außerdem habe ich hier in meiner Ausbildung einen der bewegendsten Momente dieser drei Jahre erlebt: Eine Dame, die aufgrund ihrer Erkrankung monatelang keinen Muskel mehr bewegen konnte, nichteinmal selbstständig atmen, wackelte eines Morgens mit ihren rechten großen Zeh.

Dann die Endoskopie: Ohne den Körper zu verletzen sind ganz tiefe Einblicke möglich. Neben Diagnose wird auch Prävention betrieben. Verändertes Gewebe wird entfernt ohne sicht- oder spürbare Narben zu hiterlassen bevor es zum gefürchteten Krebs wird. Und wenn doch einmal Therapie notwendig ist, weil z.B. die Gallenwege durch gemeine Steine einfach blockiert werden, können auch diese entfernt werden ohne die unangenehmen Folgen einer Operation: Narbe, eingeschränkte Mobilität, …

Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, kommt auch noch der Operationsdienst: Hier kann wirklich etwas am Menschen verändert werden. Gebrochene Knochen wieder zusammengeflickt, Löcher im Herzen geschlossen oder einem Herzen, dass nicht mehr wirklich schlagen möchte wieder auf die Sprünge geholfen werden. Hier wird der Mensch ganz bewusst verletzt. Aufgeschnitten sowie neu zusammengeflickt. Aber das ist eben nicht nur eine Sache des Arztes, sondern dieses ganze Zusammenspiel, Hand in Hand, die perfekt aufeinander abgestimmten Abläufe.

Skalpell! Tupfer!

Dabei weiß eigentlich jeder Mitwirkende meistens schon was als nächstes kommt.

Es ist Beruf mit zahlreichen Schattenseiten. Wie gut, dass die Begeisterung doch so viel Licht hineinbringt.