Stilblüten aus der Psychiatrie #2

Ha! Ich hab etwas gefunden, womit ich in unregelmäßigen Abständen meine Leser erheitern kann, mit Situationskomik aus meinem Berufsalltag.

Teamübergabe, neuer Patient wird besprochen:

Pfleger 1: Er wohnt in einer Wohngruppe, nach der Langzeittherapie wurde er dort von einigen geschnitten.

Pfleger 2: Wie? Fremdaggressive Borderliner?!

Patient wirkt immer wieder unmotiviert, passt aber nicht wirklich ins Krankheitsbild Depression… eher chronisch faul, Oberarzt fragt:

Ist der überhaupt depressionsfähig?

Schwerst Borderline-erkrankte Patientin spricht mit Bezugspfleger über Blumen und vergleicht ihn mit einer Rose, er tut es ihr gleich:

Also sie sind ja am ehesten eine Schnittblume.

Und hier sind die ersten Stilblüten zu finden.

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Stilblüten aus der Psychiatrie

Lange nichts mehr über die Arbeit geschrieben. Macht man schließlich auch nicht, Schweigepflicht und so. Aber die ein oder andere Stilblüte muss dann doch mal festgehalten werden. Ab und zu wird es einfach grenzwertig zynisch:

Küchendienst (Borderline-Patientin) holt Messer ab, Krankenpfleger:

Ist das für den Arm oder für die Wurst?

Angehöriger ruft an, Pflegerin fasst das Gespräch für ihre Kollegen zusammen:

Betrunkener Papa soll bitte im Alkoholikerparadies abgeholt werden.

Das Konsumverhalten einer medikamentenabhängigen Patientin wird in der Übergabe beschrieben:

Sie isst Benzos wie andere Smarties.

Wer ist da verrückt?! ;)

Realität

Im hiesigen Gesundheitswesen geht es nicht darum Gesundheit zu erhalten oder herzustellen, sondern einzig und allein darum, mit der Krankheit der Menschen möglichst viel Geld zu machen.

Dann werden auch nur Krankenschwestern und keine Gesundheits- und Krankenpflegerinnen gebraucht.

Eine Sonne namens Begeisterung

Call me nurse!

Das darf ich mittlerweile seit einem halben Jahr sagen. Nachdem mir bis dahin immer wieder nur gesagt wurde „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, bin ich immernoch der Meinung, dass Krankenpflege kein guter Job ist. Die Arbeit ist hart, schmutzig und will einen immer wieder nach Hause verfolgen. Sie ist geprägt von finanziellen Kürzungen, Unzufriedenheit auf allen Seiten und dem Gefühl, dass man gegen Windmühlen kämpft udn das ganze System so ineffektiv wie ungerecht ist.

Und trotzdem liebe ich diesen Beruf. Nicht etwa weil ich meine irgendwem zu helfen, etwas gutes zu tun oder gar ändern zu können. Nein. Ich bin einfach begeistert von dem, was ich jeden Tag erleben darf. Ganz egal in welchem Tätigkeitsfeld der Krankenpflege ich mich bewege, sie ist einfach toll.

Nehmen wir zum Beispiel die Neurologie: Hier geht es ja vor allen Dingen um die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Kein anderes Organ ist so gut vor Fremdeinwirkung geschützt: Der Schädel, der keinen Kratzer an das Gehirn lässt und selbst das Blut kommt nicht einfach so ran. Es ist ja auch viel zu oft Überbringer von diversen Krankheitserregern.
Ist es nicht ein Wunder, dass man durch die bloße Raumgestaltung Einfluss auf den Verlauf einer Krankheit nehmen kann?
Außerdem habe ich hier in meiner Ausbildung einen der bewegendsten Momente dieser drei Jahre erlebt: Eine Dame, die aufgrund ihrer Erkrankung monatelang keinen Muskel mehr bewegen konnte, nichteinmal selbstständig atmen, wackelte eines Morgens mit ihren rechten großen Zeh.

Dann die Endoskopie: Ohne den Körper zu verletzen sind ganz tiefe Einblicke möglich. Neben Diagnose wird auch Prävention betrieben. Verändertes Gewebe wird entfernt ohne sicht- oder spürbare Narben zu hiterlassen bevor es zum gefürchteten Krebs wird. Und wenn doch einmal Therapie notwendig ist, weil z.B. die Gallenwege durch gemeine Steine einfach blockiert werden, können auch diese entfernt werden ohne die unangenehmen Folgen einer Operation: Narbe, eingeschränkte Mobilität, …

Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, kommt auch noch der Operationsdienst: Hier kann wirklich etwas am Menschen verändert werden. Gebrochene Knochen wieder zusammengeflickt, Löcher im Herzen geschlossen oder einem Herzen, dass nicht mehr wirklich schlagen möchte wieder auf die Sprünge geholfen werden. Hier wird der Mensch ganz bewusst verletzt. Aufgeschnitten sowie neu zusammengeflickt. Aber das ist eben nicht nur eine Sache des Arztes, sondern dieses ganze Zusammenspiel, Hand in Hand, die perfekt aufeinander abgestimmten Abläufe.

Skalpell! Tupfer!

Dabei weiß eigentlich jeder Mitwirkende meistens schon was als nächstes kommt.

Es ist Beruf mit zahlreichen Schattenseiten. Wie gut, dass die Begeisterung doch so viel Licht hineinbringt.

PKV schützt vor bösen Keimen

Wie bereits angekündigt mein Beitrag zur privaten Krankenversicherung.

Vor einigen Monaten lernte ich im Rahmen meiner Stellensuche die ein oder andere Klinik kennen. Darunter auch eine, die Organtransplantationen durchführt und mir eine Stelle auf einer solchen Station angeboten hat:

An sich machte das Haus einen sehr, sehr guten Eindruck auf mich. Professionell wirkte neben dem gesamten Auswahlverfahren auch die Möglichkeit, mir meine potentiell zukünftige Station anzusehen und die Leitung kennenzulernen. Auf dem Flur begegneten mir nicht – wie ich es aus meiner Ausbildung kannte – diverese Wagen mit Verbandmaterial, Patientenakten und Pflegeutensilien. Es war alles aufgräumt. Mit einem Bett wäre man problemlos durchgekommen. Gewöhnt war ich bis dahin auch an das ständige Geräusch der Patientenklingel. Dort war alles ruhig. Die Patienten waren wohl zufrieden, wunschlos glücklich.
Das hat aber bisher noch nicht sehr viel mit irgendeiner Krankenversicherung zu tun. Die Beschreibung der Räumlichkeiten hingegen sehr wohl. Es gab nicht etwa einen eigenen Aufenthaltsraum für die Privatpatienten mit HD-TV und Bücherregal. Auch keine Massageliegen. Einzelzimmer gab es sicherlich, wurden jedoch nicht speziell aufgezählt. Die Stationsleitung erläuterte mir allerdings dass der Flur in 2 Bereiche aufgeteilt sei. A und B.
Im Bereich A gab es 2 Zimmer mit sogenannten „Schleusen“. Diese waren extra für die besonders infentionsgefährdeten Transplantationspatienten vorgesehen. Außerdem wurden privat Versicherte in diesem Bereich untergebracht.
Bereich B war eher die „Schmuddelecke“. Dort konnte man auf Patienten mit antibiotikaresitenten Infektionen treffen. Und auf die gesetzlich Versicherten.

Ich war zu schockiert in Anbetracht dieses Beweises dafür, dass es eben doch Patienten erster und zweiter Klasse gibt, ansonsten hätte ich gefragt, wo denn Privatpatienten mit MRSA liegen. Und ob transplantierte Kassenpatienten denn nur in den Bereich A dürfen, wenn sie mindestens ein Organ haben, das irgendwann einmal privat versichert war.

Privatpatienten sind also potentiell weniger infektiös oder leichter zu therapieren, als diejenigen aus der GKV. In diesem Haus auch kein Wunder…

Noch ein paar Tote mehr…

…und das Sommerloch ist gefüllt!


Alles was jetzt folgt ist unüberlegt und stark gefärbt. Auch nicht recherchiert. Geschweige denn gründlich.

Nachdem zuletzt 21 tote Loveparadebesucher dank des Sommerlochs ungewöhnlich lange in der Presse herumgeisterten, tun dies neuerdings 3 tote Babies. Gewöhnliche Babies mit gewöhnlichem Tod. Zu früh geboren, krank geboren, krank geworden. Intensivstation. Kontakt mir Erregern, die eigentlich nicht da sein sollten aber doch da sind. Weil für Hygiene kein Geld da ist. Oder keine Zeit. Oder einfach kein Personal! Und eventuell sind sie gar nicht an den Tierchen gestorben. Sie nicht.

Es ist doch total egal, wie die Bakterien in die Infusionen kamen und ob sie todesursächlich waren. Sie waren da und gehörten nicht hin. Es gehören auch keine resistenten Bakterien in Wunden, nicht in die Lunge und nicht an Herzklappen. Auch gehören sie nicht an die Hände von Ärzten, Pflegepersonal und Besuchern. Trotzdem ist jeder Patient in Deutschland zu Beginn des Krankenhausaufenthalts ersteinmal potentiell nicht infektiös. Stört ja auch keinen.
Es sterben jedes Jahr zig Tausende Menschen an den Infektionen, die sie in Krankenhäusern und Pflegeheimen erwerben. Erwachsene. Mit und ohne Familie. Jetzt sind es vielleicht drei Kinder und die Presse schreit laut auf.

Aber was zur Hölle wird das ändern?

Gar nichts.

Wie auch? Im Sommerloch zählen die toten Babies. 3,0. In Worten: Drei Komma Null. Es zählen die defekten Flaschen. 1,0. In Worten Eins Komma Null.
Ein Defekt an der Verpackung führte zur Verunreinigung. Die Mitarbeiter haben keine Schuld. Sie haben ihren Job richtig gemacht. Hatten die Zeit sich ihre Hände zu desinfizieren. Händedesinfekton ist ja auch da A und O. Noch wichtiger, als die Flaschen auf Beschädigungen zu überprüfen. Aber irgendwo muss man die Zeit ja einsparen wenn insgesamt das Personal eingespart wird.

Und so wird es bleiben. Im nächsten Sommerloch wird der Toten aus dem Tunnel gedacht werden. Den vielen Opfern des deutschen Gesundheitssystems nicht.
Wobei es ja eher ein Krankheitssystem ist. Auch wenn man Krankenkassen in Gesundheitskassen und Krankenschwestern in Gesundheits- und Krankenpflegerinnen umbenennt zählt hier die Behandlung der Kranken, nicht der Schutz der Gesunden vor Krankheiten.
Es sei denn man ist privat versichert. Aber dazu vielleicht irgendwann anders eine kleine Anekdote.

Das Loch ist jetzt erstmal gefüllt.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Der Kölner würde sagen:

Jede Jeck eß anders.

So ist es auch mit meinem Chef. Napoleon. Für ihn müssen die Untersuchungsräume jedes Mal umgeräumt werden, da er eben vollkommen anders arbeitet als die 7 übrigen Ärzte. Nun ja, sei es drum.

Aber nicht nur er ist etwas eigen. Die anderen haben ja auch ihre Macken.
Beispielsweise der jüngste Oberarzt – gerade so noch in den 30ern – scheint besonders kurzsichtig zu sein. Er mag es wenn der Monitor nur wenige Zentimeter vor seiner Nase schwebt.
Oder der dünnste, er hingegen benutzt grundsätzlich nur ein bestimmtes Ultraschallgerät, zumeist auch nur in einem speziellen Raum.
Die Dame im Team macht gerne alles alleine.

Interessant ist aber, dass unsere gesamte Abteilung jetzt umgebaut werden muss, nicht etwa, weil das Pflegepersonal ebenfalls die ein oder andere Marotte hat. Nein. Schuld ist das neue Desinfektionsmittel. Und das ist eben auch sehr eigen und anspruchsvoll.
Zum Beispiel stinkt es.
Außerdem zerstört es alles. Nicht nur Krankheitserreger sondern auch die Bestandteile des vorhandenen Fußbodenbelags. Er wurde jetzt bereits erneuert. Jedenfalls in 2 von 3 Räumen. Der andere muss vorher noch komplett umgebaut werden.
Die Dämpfe dieser Lösung riechen nicht nur unangenehm – gefühlt irgendwo zwischen Schwimmbad, Essig und Formaldehyd einzuordnen. Sie bereiten auch Kopfschmerzen und verursachen bei einer Kollegin sogar Wortfindungsstörungen. Meines Erachtens nach ist dies jedoch eher psychosomatisch. Hier soll ein Abzug das Problem lösen. Dafür muss aber einer der bereits renovierten Räume ebenfalls umgebaut werden.

Dann doch lieber die menschlichen Eigenarten. Irgendwie sind die weniger stur und bessere Unterhaltung. Außerdem können sie nebeneinander existieren und verdrängen nicht alles alt bekannte.