Hamburg, Pinguine und ein Spargeltarzan

Der Froschkönig hat ein Diplom!
Und aus diesem Anlass, sind wir an einem Donnerstag im November in Richtung Hamburg aufgebrochen.

 

Das Hotel:

Nachdem er bei seinen Studienbesuchen sonst eher in einem sehr schlichten Hotel war, sollte es ein etwas besseres sein.
Nun gut.

An die Suite im Hotel am Schlosspark in Stuttgart vor 4 Jahren kam es nicht heran.
An das Mariott in Hamburg vor 2 Jahren auch nicht.
Auch das andel’s in Berlin letztes Jahr gefiel mir besser.
Aber immerhin war das Frühstück besser, als vor 5 Jahren im Motel One in Stuttgart.
Und man will da ja meistens auch nur schlafen und frühstücken.

Das Bett war in Ordnung.
Interessant waren die Dusche und generell die Wasserleitungen: Sobald man im Bad Wasser laufen ließ, hörte man laute Geräusche in der Wand. Egal ob Waschbecken oder Dusche. Wirklich spannend wurde es aber, wenn man in der Dusche dann vom Badewannenzulauf auf die Brause umgestellt hat:
Es qietschte so laut, dass sogar der Kommilitone im Zimmer nebenan noch gehört hat, wann wir duschen. Ein richtig lautes Geräusch. Fast so, als würde eine ganze Armee von Hamstern die Pumpe antreiben, um das Wasser nach oben zu befördern.

Aber geschlafen habe ich gut. Und selbst, als ich Freitag Vormittag noch etwas Zeit alleine dort verbracht habe, war der Lesesessel doch sehr gemütlich.

Und die Hotelbar war auch ganz gut. Ein paar kleine Snacks, wovon ich auch am Anreisetag einen gegessen habe, und eine große Auswahl an Cocktails.

 

Variable:

Nach dem kleinen Hotelbarsnack sind wir mit einem Geschäftspartner essen gegangen. Die Pizza dort sollte gut sein. Ich war trotz Snack noch so hungrig, dass mir die Zwiebelsuppe, die am Nachbartisch so unglaublich gut duftete, als etwas zu wenig erschien.
Trotz des appetitlichen Geruchs, habe ich mich für eine kleine Pizza Mozarella entschieden.

Böser Fehler!

Die Pizza kam. Schon die beiden kleinen Basilikumzweige waren eher dekorativ, als geschmacklich von Bedeutung.
Vorher kannte ich Pizzen, die entweder zu matschig, zu trocken, kalt, hart oder sonst irgendwie hauptsächlich aufgrund ihrer Konsistenz nicht zu empfehlen waren.
Diese Pizza hingegen hatte einen tollen Teig, nicht zu knusprig, nicht matschig, nicht  hauchdünn, nicht zu dick. Der Belag war, von den Basilikumzweigen abgesehen, optisch sehr gut.
Leider war der Geschmack zwar vorhanden, aber alles andere als lecker. Sie schmeckte nicht nach Tomate, nicht nach Käse, nicht nach Teig. Es war ein Geschmack, den ich am ehesten mit dem Geruch von „Staubsaugerluft“ assoziieren würde.

Ich habe sie trotzdem etwa zur Hälfte gegessen. Aber als der Froschkönig am Freitag Pizza als Mittagessen vorgeschlagen hat, waren sein Kommilitone und ich uns einig, dass wir erstmal genug von Pizza haben. Seine war wohl auch nicht besser.

 

grill&green:

Wir hatten uns also mehrheitlich gegen Pizza entschieden und sind dann bei der Suche nach einer Alternative auf dieses Restaurant gestoßen. Das war gut!

Ich hatte die leckere Kombination „Salad&Soup“, was am Freitag eine Krabbensahnesuppe mit Scampi im Kartoffelnest auf einem Kräutersalat war. Sehr zu empfehlen! Und auch der Schokoldenbrotpudding, von dem mir die Bedienung leider nicht sagen konnte was es ist, war gut. Besonders die oberste, knusprig-schokoladige Schicht war köstlich! Das Filetsteak von Froschkönig hätte mir aber auch gefallen…

 

Ein Papagei unter Pinguinen:

Die beiden frisch diplomierten Herren sind mit mir im Anzug durch die Stadt gelaufen. Beide mit weißem Hemd und Krawatte. Wirklich fast wie zwei Tuxe. Dagegen kam ich mir mit lilafarbenem Rollkragenpulli wirklich sehr farbenfroh vor. Aber ich habe ja schon letzten Monat festgestellt, dass ich dringend wieder einen schwarzen Blazer benötige.

Den habe ich auch bekommen!

 

Lloyd:

Neben einem schwarzen Blazer habe ich mir auch noch ein paar Schuhe gekauft. Schwarze Schnürpumps mit gut tragbarem Absatz.

Erschreckend war allerdings, dass in einem Geschäft für Schuhe ab 100€ zunächst nur eine offenschtlich vorurteilsbehaftete Verkäuferin war. Und die war maßlos überfordert, sich zwischen einer jungen Kundin mit Allwetterjacke und einer Endvierzigerin im „kamelfarbenen“ Mäntelchen zu entscheiden.
Jedes Mal, wenn ich sie dazu genötigt habe, mir doch nochmal ein anderes Paar Schuhe in Größe 36 zu holen, entschuldigte sie sich bei ihr vielmals. Mir hat sie dann schnell einen Schuh in der gewünschten Größe hingestellt und ist unmittelbar wieder zur anderen Kundin. Auch als ich dann den zweiten Schuh anprobieren wollte, entschuldigte sie sich erneut. Nicht bei mir.
Vermutlich ist es auch ihren Vorurteilen gegenüber meiner Kaufkraft geschuldet, dass ich diejenige war, die keine kontinuierliche Beratung durch sie erhielt. Es kam zum Glück irgendwann Hilfe.

Ich wurde also fortan von einem Herrn mit eindeutig verkaufsförderndem Servicegedanken bedient. Er hat meine Passformprobleme (sehr niedriger Spann) erkannt und mir eine entsprechende Lösung angeboten.

Ich habe die Schuhe, samt Einlagen und Spitzenpolstern, gekauft. Aber der Froschkönig, der durchaus auch von einem weiteren Paar Lloyds zu überzeugen gewesen wäre, hat auch aufgrund mangelndem Service nichts gekauft.
Auch 2 Verkäufer erschienen mir doch zu wenig für einen Laden in bester Innenstadtlage mit nicht unbedingt niedrigem Kundenverkehr.

 

Stadtspaziergang:

Als wir gefahren sind, hat der Froschkönig mich gefragt, ob ich denn die Kamera mitnehmen möchte. Natürlich wollte ich das! Nur wenn sie dabei ist, kann man damit fotografieren. Und lieber, ich trage sie einige Kilometer umsonst, als mich darüber zu ärgern, dass ich mal wieder keine Bilder für’s Album habe. Samstag habe ich mich dann gezwungen Fotos zu machen. Hätte ich das nicht, würde der Froschkönig beim nächsten mal sagen, dass die Kamera nicht mitkommt, weil ich ja ohnehin keine Bilder mache.

Toll waren die Bilder daher nicht. Es gab nichts, was ich jetzt unbedingt mit der Spiegelreflex ablichten wollte. Aber was muss, das muss. Es folgen also in einem späteren Artikel noch ein paar „Zwangsimpressionen“.

 

Spargeltarzan:

Die Frau des Kommilitonen hatte sich für dieses Wochenende einen Musicalbesuch gewünscht. Ich war ja sehr, sehr skeptisch. Soooo besonders fand ich solche Veranstaltungen nie. Gaudi in Alsdorf war zwar schon irgendwie etwas besonderes, aber mehr, weil die Darsteller anschließend noch mit im Biergarten gesessen haben.

Ich habe meine Meinung geändert. Tarzan war super!

Die Musik war mir vorher gänzlich unbekannt und auch dass der Zuschauerlauftraum eigentlich Teil der Bühne ist wusste ich erstmal nicht.

Aber einen Menschen, der mit Affen aufwächst und sich von Baum zu Baum schwingt hätte ich mir eigentlich etwas weniger schmächtig vorgestellt… Wir haben übrigens das „Tarzan-Traumpaar“ aus Alexander Klaws und Nadja Scheiwiller in der Vorstellung gesehen.
Gab es nicht früher Erst-, Zweit- und Drittbesetzung?

Spaß hat’s auf jeden Fall gemacht… Ob andere Musicals tatsächlich auch gute Unterhaltung wären?

 

Hamburg hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. So Städtekurztrips hab ich doch wirklich gerne.

Im März geht’s nach München!

 

Tschick

Tschick, so heißt das Buch, das ich bis vor ca. 2 Minuten gelesen habe.

Tschick, ist das eine merkwürdige Schreibweise von „schick“ oder vom englischen „chick“?
Weder noch, es ist der Spitzname von Andrej Tschichatschow.

Um ehrlich zu sein fand ich das Buch anfangs öde. Jetzt bin ich froh, dass ich es nicht nach den ersten 20 Seiten weggelegt habe. Mir war kurzzeitig danach. Jetzt kann ich nicht sagen, wann der Wendepunkt kam. Wann die Langeweile durch fesselndes Interesse ausgetauscht wurde. Aber es ist passiert. Irgendwo zwischen langweiligem Gerede über Spitznamen, Beyonce und einer Autobahntankstelle hat es mich in seinen Bann gezogen und erst losgelassen, als ich die letzte Zeile gelesen habe.

Es geht um geklaute Autos, um einen Schweinetransporter, eine Sprachtherapeutin, die Verwendung einer Armbanduhr als Kompass, Brombeeren, Leben auf anderen Planeten, einen Sessel im Pool und natürlich um das erste Mal verliebt sein.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch bald hunderte Schüler im Unterricht lesen müssen. So wie ich in der 5ten oder 6ten die „Vorstadtkrokodile“ von Max von der Grün und irgendwann später „Die Einbahnstraße“ von Klaus Kordon lesen musste.

Es ist so unglaublich abenteuerlich und kaum vorzustellen, dass es tatsächlich Schüler geben könnte, die in den Sommerferien genau das erleben. Aber irgendwie haben wir doch in der 8ten Klasse alle davon geträumt mal etwas richtig aufregendes zu erleben. Und auch wenn man sich jederzeit bewusst ist, dass das, was die Jungs da treiben falscher kaum sein könnte, drückt man ihnen doch die Daumen.
Man lernt etwas über Freundschaft, über Recht und Unrecht und vor allen Dingen darüber, dass es wichtigeres gibt, als aus was für einer Familie man kommt.

In diesem Buch freunden sich ein unscheinbarer Junge aus reichem – aber wie so oft ziemlich kaputtem – Hause und ein russischer Junge, der eine Plastiktüte als Schultasche nutzt, unter sehr abstrusen Umständen an. Sie wollen einfach „ganz normal Urlaub machen“. In der Walachei.
Am Ende fehlt dem reichen Jungen ein Stück seiner Wade und der andere hat einen Gips.

Noch mehr schreiben wäre definitiv zu viel verraten, aber es lohnt sich!

KAUFEN – LESEN – WEITER EMPFEHLEN!

Erlebnisreise in Berlin

Wir waren in Berlin.
Und zwar etwa 50 Stunden lang.

In diesen 50 Stunden habe ich vieles gelernt,…
… z.B. dass man vom Gehen Muskelkater bekommen kann. Und zwar nicht am nächsten Tag, wie das ja so üblich ist bei Muskelkater, sondern noch am selben Tag. Während ich „in letzter Instanz“ meine Rinderroulade aß, hat er sich angeschlichen. Denn anschließend konnte ich nur unter Schmerzen aufstehen. Vorderseite Oberschenkel und die Muskulatur am Schienbein (!!!) waren die Hauptschmerzherde.
… man kann nämlich auch unter der Ferse Blasen bekommen. Auch in Schuhen, in denen man schon viele, viele Stunden und Kilometer gelaufen ist.

Und ich habe noch mehr erlebt, …
… da waren Schuhe. Trippen. Die wohl bequemsten Schuhe der Welt. Das hat mir eine Arbeitskollegin gesagt und ich habe es am Dienstag am eigenen Fuß spüren können. Und obwohl diese Schuhe das großartigste Fußgefühl meines Lebens waren, waren sie auch eine riesige Enttäuschung. Optisch sagten sie mir an meinen Füßen kein bisschen zu. Und auch wenn sie „gefühlt“ perfekt sind, so sind sie nicht annähernd das Geld wert, das sie kosten, wenn sie nicht anzieht, weil man nicht damit gesehen werden möchte. Taurus, wir werden uns so schnell nicht wieder treffen.
… so kann man auch den Ausblick von der Hotelbar als Erlebnis bezeichnen. In dem Fall einfach Fotos zur Erläuterung:


… da gab es in der „sky.bar“ zum tollen Ausblick zwei der leckersten Mojitos, die ich bisher getrunken habe. Diese Verschmelzung vom Minze und Rohrzucker. Eine Gaumenfreude.
… meine Fahrten mit der „Tram“ hatten für mich irgendwie Zeitreise-Charakter. Auch wenn in meiner Heimatstadt die letzte „Öcher Tram“ bereits 10 Jahre vor meiner Geburt gefahren ist, erinnert mich dieser Name doch an „zu Hause“. Und ich hätte Aachen gerne mit Schienen in den Straßen erlebt. So erschrecke ich mich in fremden Städten immer wieder, wenn plötzlich Züge auf der Straße fahren. Ober mitten über irgendwelche Plätze. Gewundert hat mich allerdings, dass nicht ein einziges Mal jemand meine Fahrkarte sehen wollte. Obwohl in einer Tram scheinbar ein Kontrolleur mitgefahren ist. Haben die in Berlin etwa Angst zusammengeschlagen zu werden wenn sie jemanden nach seinem Ticket fragen?!
… den Besuch des Holocaust-Mahnmals kann man wohl nur als „Erlebnis“ beschreiben. Es ist beängstigend. Und erdrückend. Und es ist genial. Diese Stimmung, die einen automatisch überkommt, wenn man zwischen diesen riesigen Säulen umhergeht. Sie wird nicht gestört durch Jugendliche, die gleichzeitig darauf rumturnen und von Block zu Block springen. Vielleicht wird sie sogar verstärkt. Sie reißt einen mit. Und leider lässt sie sich nicht mit einer kleinen Kompaktkamera einfangen.

… im Vorfeld der Berlin-„Reise“ hatte ich nur eine Planung. Und zwar wollte ich ins Pergamonmuseum, mitsamt Panorama. Ich hatte den Artikel darüber im GEO gelesen und wurde dadurch angefixt. Das Panorama ist fantastisch. Selbst wenn der Froschkönig dabei ist und auf Fehler im Schattenwurf aufmerksam macht. Tipp für jeden, der es sich noch ansehen möchte: Ticket online buchen! Die Schlange vor Ort ist nicht zu empfehlen und so leicht zu umgehen. Die Ausstellung dazu ist schön. Neben der ständigen, die schon allein durch die bekannte Teilrekontruktion des Zeus-Altars beeindruckt, sind einige zusätzliche Stücke zu begutachten. Ein wenig „Geschichte der Geschichtswiederherstellung“.

Auch die Wirkung des Panoramas kann man nicht auf einem Bild festhalten, man muss es mit eigenen Augen sehen. Und man darf sie auch gar nicht Fotografieren. Und das ist gut so! Blitzlicht auf der plattform würde die Stimmung ruinieren. Die Wirkung erheblich reduzieren.
… als Seifenblasenfan, war für mich der Weg vom Rechstag zum Brandenburger Tor besonders toll. Straßenkünstler. Mit Seifenblasen. Herrlich.

Im Vorfeld hat ein Freund viel Negatives von Berlin berichtet. Er arbeitet dort zur Zeit und sieht sicher nicht nur die fröhliche, saubere, bunte Touristenwelt., wie ich in den letzten Tagen. Aber insgesamt kann ich meinen Eindruck wohl mit wenigen Worten zusammenfassen, und werde mir damit sicher auch einige Feinde machen:

Berlin sieht fast aus wie Köln. Nur größer. Und sauberer.