Logorrhoe

Der Titel sagt es schon:

Hier geht es um Menschen, die viel reden. Eigentlich krankhaft viel, aber ich fasse den Begriff jetzt etwas weiter, und dann gehöre ich selbst dazu.
Zu allem muss ich meinen Senf dazu geben, habe irgendwie alles erlebt und muss das auch jedem mitteilen. Ob meine Beiträge dann überhaupt jemanden interessieren oder ob sie in irgendeiner Form „qualifiziert“ sind, tut dabei nichts zur Sache.

Und am schlimmsten ist: Mittlerweile weiß ich das und kann es trotzdem nur selten abstellen!

Im Beruf treffe ich oft Menschen mit dieser Eigenschaft. Teilweise in der Persönlichkeit, aber meistens in der Erkrankung  begründet und dann auch wirklich extrem.
Im Team nennen wir das übrigens auch Logorrhoe, aber heute habe ich gelesen, dass es dafür auch einen deutlich neutraleren Fachbegriff gibt:

Polyphrasie

In der ein oder anderen Patientendokumentation wird also in Zukunft diese Bezeichnung auftauchen. Einfach, weil ich sie beschreibender und weniger wertend und somit als angemessenerempfinde.

Aber auch privat treffe ich ab und zu auf solche Leute. Und obwohl das sehr egoistisch ist:

Ich freue mich immer, wenn noch andere Personen mit diesem Problem anwesend sind!

Deren selten unterbrochener Redefluss erinnert mich immer wieder an meine eigene Schwäche und ich bekomme mich besser unter Kontrolle. Und wenn es mir dann doch einmal nicht gelingt, falle ich damit nicht ganz so negativ auf, weil der andere ja noch mehr redet und er das „schwarze Schaf“ in der Runde ist.
Besondere Anstrengung habe ich dabei hingegen, wenn ich weiß, wovon ich rede (oder die anderen), aber meine Gesprächspartner gerade einfach nur Quatsch erzählen. Und je weniger insgesamt gesprochen wird, desto schwieriger wird es.

Vor kurzem habe ich aber auch außerhalb der Klinik eine Person getroffen, die wirklich gar nicht aufhörte zu reden. Da fiel es mir sogar schon schwer, überhaupt noch zuzuhören und auch die anderen hatten kaum eine Gelegenheit, mal etwas genauer nachzufragen – wobei das bei dieser nicht endenden, ausführlichen Erzählung auch kaum nötig war ;)

Ich glaube, ich sollte wirklich ein wenig an meinen sozialen Kompetenzen und meiner Gesellschaftsfähigkeit arbeiten.
Damit würde ich mich dauerhaft besser fühlen, als mit dieser Schadenfreude.

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