Hatschi!

Krankenpflege ist ja schon ziemlich oft ein sehr unappetitlicher Job.
Da kommt man immer wieder mal in Kontakt mit Körperflüssigkeiten, mit Handschuhen! Blut zählt da zu der harmlosen Sorte.

Die Patienten gehören größtenteils der älteren Generation an. Der Generation, die auf der Straße über die schlechten Manieren der Jugend die Nase rümpft.

Früher hätt‘ es das nicht gegeben!

Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Sei es weil ein Kind im Restaurant schreit oder ein Jugendlicher im Bus den Platz nicht für die (vermeintlich) gebrechliche Dame frei macht.

Für mich spätestens jetzt ein Grund zu lachen.

Letzte Woche auf Station:

Ich sollte einem älteren (ca. 80 Jahre) Patienten beim Waschen helfen. Lungenerkrankung, Sauerstoffbrille. Ich messe also zunächst die Sauerstoffsättigung. Stelle mich dazu vor den Patienten, unterhalte mich mit ihm.
Dann geschieht es:
Der Patient holt aus. Er krümmt sich nach hinten um sich dann innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder nach vorne zu beugen. Zeitgleich verlässt ein Schwall Flüssigkeit seine Nase – und duscht mich. Arm nass, Kasak nass. Alles andere – zum Glück – trocken. Noch eine Dusche: Mit Desinfektionsmittel!

Wo war da bitte die Hand vor dem Mund? Und das kleine Wörtchen „Entschuldigung“ verlässt auch nicht den Mund des voll orientierten Mannes. Statt dessen kommt ein abwehrendes

Das war nicht meine Schuld.

War es denn etwa meine?

Erklärungsversuch:

Er hat ein sehr schlechtes Bild von der Erziehung, dem Anstand, den Manieren meiner Generation. Er glaubt, dass sie „Jugend“ heutzutage dadurch auszeichnet, dass man sich daneben benimmt. Um sich jung zu fühlen benimmt er sich daneben und pöbelt fremde Leute an.

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Profitieren vom web 2.0

Gestern musste ich in meinem icq-log folgende Zeilen lesen:

Du bist voll die Web2.0 Tante geworden
;)
Stylisch
Ich bin gespannt, wo es Dich noch hintreiben wird :=)

Sowas schreibt mein Freund. Wir haben uns dann darüber unterhalten, dass ich vermutlich irgendwann vom einen auf den anderen Tag einfach komplett inaktiv sein werde. Dass mir das web 2.0 nichts bringt, gar nichts, ist mir ja schon längst bewusst. Da ich meine Identität im Internet nicht so wirklich offen preisgebe, entstehen also auch keine  Bekannt- und Freundschaften bzw. sonstigen Kontakte. Finanziell springt auch nichts raus. Irgendwelches soziales Ansehen? Da schadet mir meine Ehrlichkeit und Offenheit eher! Ich habe einfach keinen Nutzen von Twitter, meinem Blog und den anderen Web-Aktivitäten.

Es gibt sicher zahlreiche Personen, die aus dem ganzen Zeugs einen Nutzen ziehen, einige Beispiele:

  • haekelschwein: Die Nachfrage ist seit Twitter sicher enorm gestiegen – bei über 4000 Followern hat sicher der ein oder andere ein haekelschwein gekauft. Ich selbst ja schließlich auch. Wobei ich kannte es vorher schon: Als mein Freund und ich uns vor mehr als 2 Jahren kennen gelernt haben, wohnte schon eins in seinem Büro, da war die Pflegeanweisung noch deutlich größer als jetzt. Und der Druck etwas schlichter.
  • Frauenfuss: Für ihre Arbeit war Twitter vermutlich ebenfalls beste Werbung. Ich bin mir sicher, dass ihre Grafiken jetzt noch deutlich beliebter sind. Zahlreiche Jungautoren hoffen darauf, dass sie ihre Geschichten illustriert und Mia Bernstein hatte bereits dieses Glück.
    Außerdem ist da ihre Aktion „Ich-male-meine-Follower“ mit bisher deutlich über 200 Bildern, die mittlerweile den Sprung vom Internet in das „echte“ Leben geschafft haben. Die erste von 4 Ausstellungen war bereits ein voller Erfolg und lockte viele Twitterer weg vom Computer.
  • wimbauer: Wer Twitter kennt und gerne auch einmal Bücher liest, die nicht mehr aufgelegt werden oder besondere Ausgaben mag, und damit sind nicht nur Erstausgaben sondern auch solche mit Signatur, etc. gemeint, der wird sich wohl jetzt zunächst bei ihm informieren. Jeden Tag berichtet er seinen Followern mindestens 2 Mal , dass er wieder bestellte Bücher verschickt, neue katalogisiert, sie fotografiert, Rechnungen schreibt, etc.
    Dabei muss schon etwas rumkommen, wie sonst könnte er sich jeden Abend eine gute, meist auch teure, Flasche Biowein gönnen?
  • miabernstein: Ohne die mehr oder weniger zufällige Werbung im Internet, wäre es sicher etwas seltener über die Ladentheke bzw. in kleine Amazonpakete gewandert, meine Mutter freut sich auch schon es bald lesen zu dürfen und hat mich neulich erst gefragt: „Was ist denn Twitter?“

Fakt ist:
Ich produziere nichts, ich verkaufe nichts. Bei mir kann also nicht die Nachfrage steigen oder die Möglichkeit irgendetwas zu erwerben bekannter werden.
Es wird auch, wenn ich dann irgendwann verschwinde, wohl kaum jemand meinen Blog oder meine Tweets vermissen. Und wenn doch, dann werde ich es nicht erfahren. Wobei: Wenn ich einfach verschwinde bleiben die ja auch erstmal noch wo sie sind. Wachstum und Veränderung bleiben aus.

Bis dahin texte ich fröhlich weiter. Vom Musik hören und Filme gucken habe ich ja auch nichts und dennoch mache ich beides gerne.

Sauberkeit in Dunkelheit?

Vor einigen Monaten hat mir ein Freund erzählt, dass er morgens gerne im Dunkeln duscht. Ungewöhnlich. Aber dieser Freund war ja auch einzigartig.
Am Montag störte mich ohnehin jegliches Licht und diese Unterhaltung kam mir wieder in den Sinn. Also im Bad kurz alles bereit gestellt – den Axe-Effect wollte ich schließlich nicht versehentlich herbeiführen – und Licht aus.
Gewöhnungsbedürftig. Wobei: Richtig dunkel blieb es nicht. Die Kontrollleuchte der elekrischen Zahbürste gibt viel Licht ab. Dennoch halte ich das Gleichgewicht einfacher, wenn es hell um mich herum ist. Merkwürdig eigentlich, wo doch meine Ohren in Dunkelheit genau so gut – wenn nicht sogar besser – funktionieren. Mein Kleinhirn braucht wohl diese Bildinformationen.

Einen Tag später testete ich, immernoch kopfschmerzgeplagt, eine „gemütliche“ Version des Vortagexperiments: Dusche bei Kerzenschein.
Das ist wirklich entspannend. Und wenn der Wasserdampf dann irgendwann den Raum füllt, verteilt sich das Licht ganz sonderbar.

Der absoluten Düsternis konnte ich also nichts abgewinnen, aber das Schummerlicht werde ich mir merken – für Abende, an denen ich ziemlich verspannt und aufgewühlt bin.

Der rollende Dschungel

Vor 4,5 Jahren habe ich meine Knutschkugel gegen eine Wohnung in der „Großstadt“ aufgegeben. Seitdem stürtze ich mich immer wieder in das Abenteuer Bus fahren. Nicht generell ÖPNV, Züge sind nicht abenteuerlich, nicht so! Und das auch ganz unabhängig von der im Gedränge lauernden Gefahr der Schweinegrippe.

Das Abenteuer am Bus fahren fängt ja schon an der Haltestelle an:

  • Ich bin pünktlich, aber war der Bus eventuell zu früh? Sonst steht hier doch immer noch jemand!
  • Kommt der Bus pünktlich? Fällt er ganz aus?
  • Ist er voll oder bekomme ich einen Sitzplatz?

Ist er dann da, egal ob pünktlich, zu spät oder schon der nächste, geht es weiter:

  • Steigt eventuell bald jemand aus und macht einen Sitzplatz frei? Im besten Fall einen dieser einzelnen.
  • Steigt an der nächsten Haltestelle eine gebrechliche Dame ein, der ich aufgrund meiner guten Erziehung meinen Platz anbiete?
  • Fühlt sich die scheinbar gebrechliche Dame gekränkt, weil ich ihr den Platz anbiete. Fühlt sie sich noch gar nicht so alt und hilflos?
  • Setzt sich jemand neben mich? Das Feindbild: übel riechend, merkwürdige Geräusche machend, vielleicht ein schmatzen? Gespräche aufzwingend
  • Liest die Meute mit was ich twittere und blogge?
  • Was denken die sich eigentlich dabei? Ist das nicht meine Sache?
  • Stört es sie, wenn sie Ihnalt meiner Texte werden?

An sich ist mir das egal. Im Netz können ja schließlich alle lesen was ich so schreibe. Die Texte, die niemand lesen soll, schreibe ich zu Hause. Und nichteinmal in digitaler Form sondern ganz altmodisch in mein Tagebuch. Hübscher Einband und Seiten aus Papier.

Wenn es sie stört: Mir auch egal: Könnten ja etwas anderes tun. Oder sich angemessen ertappt fühlen. Ist ja schließlich mein iPhone auf dem ich da rumpatsche.

Aber offensichtlich ist es mir nicht egal. Schließlich mache ich mir jetzt gerade Gedanken darüber.

Weihnachtsgeschenke

Noch mehr als ein Monat, aber: Man kann ja nie früh genug anfangen.

Wobei das bei mir ja ohnehin eine besondere Sache ist.

Meine Weihnachtsgeschenke sind eigentlich keine Weihnachtsgeschenke, sondern Geschenke, die ich auch an jedem anderen Tag im Jahr überreichen könnte. Dinge, die mir irgendwann einfallen, und die dann gekauft werden. Oder, wenn sie etwas teurer sind und der nächste Anlass noch in weiter Ferne liegt, in meinem iPhone notiert werden.

Ich mag ja den Notizblock im iPhone. Schafft Platz im Kopf zum Erinnern an andere Dinge.

Das erste Geschenk habe ich jedenfalls vor einigen Tagen bestellt. Es ist für meinen Freund. Hatte es selbst schon wieder nahezu vergessen und eben gar nicht wirklich gewusst, warum denn 2 Päckchen in der Packstation auf mich warten. Jetzt habe ich beide abgeholt und in einen sein Präsent entdeckt. Es gefällt mir!

Hoffentlich macht er sich nicht auf die Suche danach, wenn er das hier liest, soll ja schließlich dann irgendwann eine Überraschung sein.

Das ist ja ohnehin das Schönste am Schenken: Dinge verschenken, die jemand eigentlich haben möchte, von denen er es aber noch nicht weiß. Viel besser, als Wünsche zu erfüllen, die ihm selbst bekannt sind. Gerade bei meinem Freund auch irgendwie nicht sinnvoll, schließlich erfüllt er sich diese meist umgehend selbst sofern sie käuflich zu erwerben sind.

Ich freu mich schon auf Weihnachten. Leckere Plätzchen backen, die ganze Familie zusammen, … Wenn dann nur die Innenstadt nicht immer so voll wäre. Daher: So viele Geschenke wie möglich bestellen und nur noch zum Bummeln sowie Trubel genießen durch die Straßen schlendern. Oder jetzt schon einkaufen gehen.

Mal sehen.